Warum Dem Atom entgegen?
DemAtomEntgegen.de
Klare und fundierte Antworten auf gängige Vorurteile über Kernenergie
In der Öffentlichkeit über Kernenergie zu sprechen, bedeutet häufig, sich einer Flut von Vorurteilen auszusetzen: Treibhausgasemissionen, Zehntausende Tote infolge von Fukushima oder auch eine unmittelbar bevorstehende Uranverknappung.
Zwar haben EDF, UNSCEAR und die IAEO diese Mythen bereits umfassend widerlegt, doch bleiben ihre Analysen in der breiten Öffentlichkeit häufig unbeachtet oder sind für diese nur schwer zugänglich.
Der Verein Stimmen der Kernenergie hat daher beschlossen, die Website Dematomentgegen.de ins Leben zu rufen, um die bestehenden Bemühungen zu ergänzen, fundierte Antworten an einem Ort zu bündeln und sie allen zugänglich zu machen.
Manche werden sich fragen: „Wozu eine neue Website, wo die Atomkraft doch offenbar die Herzen der europäischen Bevölkerung erobert hat?“.
So erfreulich die Rückkehr der Kernenergie in die Gunst der öffentlichen Meinung auch ist: Diese Entwicklung sollte nicht den Blick auf die tieferliegenden Gründe für diesen raschen Stimmungswandel verstellen.
Zwar hat der Krieg in der Ukraine die Vorteile der Kernenergie im Hinblick auf die Energiesouveränität deutlich gemacht, doch ihre strukturellen Vorteile für die Gesellschaft und ihr Beitrag zum Schutz des Planeten sind nach wie vor nicht ausreichend bekannt.
Selbst unter ihren neuen Befürwortern bleibt das Wissen über Kernenergie begrenzt. Ein kurzer Überblick über den Kenntnisstand und die Einstellungen der breiten Öffentlichkeit ist daher notwendig, um die Relevanz von Dematomentgegen.de besser zu verstehen.
Zwischen beispielloser Popularität der Kernenergie und fortbestehenden Vorurteilen.
Trotz der immer ehrgeizigeren Versprechen rund um künftige SMR ist das prägendste Ereignis der letzten fünf Jahre für die Kernenergiebranche sicherlich weit eher politischer als technischer Natur. Die öffentliche Meinung scheint sich innerhalb weniger Jahre in großer Zahl auf die Seite der Atomkraft gestellt zu haben.
Umfrage um Umfrage bestätigt diesen Trend. Im Dezember 2024 ergab eine Meinungsumfrage von Harris-Interactive für GIFEN, dass 75 % der Befragten die Nutzung von Kernenergie für die Stromerzeugung befürworten. Zudem zeigte die Umfrage, dass sich 47 % der Sympathisanten von Les Écologistes (Grüne), dem neuen Namen von EELV, für die Nutzung der Atomkraft aussprachen.
„47 % der Sympathisanten der Grünen in Frankreich sprechen sich für die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung aus“

Man könnte meinen, dies sei eine Besonderheit Frankreichs, dem Land der Kernenergie schlechthin, doch dieser Trend geht weit über Frankreich hinaus.
Im November 2024 brachte Stimmen der Kernenergie in einem offenen Brief an die neue Europäische Kommission rund dreißig kernenergiefreundliche Verbände und Fachgesellschaften zusammen. In diesem Schreiben wurden die neuen Kommissarinnen und Kommissare insbesondere dazu aufgefordert, die Entwicklung der Kernenergiebranche in Europa zu unterstützen. Zudem enthielt es eine Zusammenstellung von Meinungsumfragen zur Kernenergie aus zahlreichen europäischen Ländern.
Das Ergebnis ist eindeutig: Mehr als 62 % der Europäerinnen und Europäer sprechen sich für die Atomkraft aus; in mehreren europäischen Ländern liegt der Anteil der positiven Meinungen sogar bei über 75 %.
„Wir dürfen diese einmalige Gelegenheit zum Dialog mit einer aufgeschlossenen Öffentlichkeit nicht verstreichen lassen“
Nach Jahrzehnten, in denen die Stimme der Befürworter der Kernenergie kaum Gehör fand, dürfen wir diese einmalige Gelegenheit nicht verstreichen lassen, mit aufgeschlossenen Öffentlichkeit in den Dialog zu treten und richtungsweisende Entscheidungen für das Gelingen der Energiewende zu fördern. Vor diesem Hintergrund hat Stimmen der Kernenergie beschlossen, mit der Website Dematomentgegen.de ein Instrument ins Leben zu rufen, das sich an alle richtet: an Personen mit Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung – etwa Finanzentscheider, politische Entscheidungsträger, Journalistinnen und Journalisten – ebenso wie an die breite Öffentlichkeit.

Nach wie vor erhebliche Wissenslücken

Die Auswertung der Umfragen führt zu einer klaren Feststellung: Trotz positiver Umfragewerte scheinen Vorurteile über Kernenergie in der kollektiven Vorstellung weiterhin stark verankert zu sein. Ob es um ihre Auswirkungen auf das Klima, um nukleare Abfälle oder um das Risiko von Unfällen geht: Atomkraft löst nach wie vor Ängste aus, die häufig unverhältnismäßig sind. Die Zahlen des letzten IRSN-Barometers veranschaulichen dies sehr deutlich:
Es sei nur daran erinnert, dass die WHO allein in den Jahren 2020 und 2021 14,9 Millionen zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie verzeichnet.
Demgegenüber erklärt UNSCEAR, dass keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung von Fukushima direkt auf die Strahlenexposition infolge des Unfalls zurückgeführt wurden. Zudem hält UNSCEAR es für wenig wahrscheinlich, dass mögliche künftige Auswirkungen im Zusammenhang mit dieser Exposition nachweisbar sein werden. Darüber hinaus berichten die japanischen Behörden, dass etwa 2.300 weitere Todesfälle indirekt durch die Evakuierung des Gebiets verursacht wurden.
Auch der Zusammenhang zwischen Kernenergie und Klimawandel scheint systematisch überschätzt zu werden: Bei einer 2023 von Orano durchgeführten Umfrage gaben 51 % der Befragten an, Kernenergie trage zur Erderwärmung bei. Diese Fehlannahme ist leider in allen Generationen verbreitet: Unter den 18- bis 34-Jährigen stimmten ihr 66 % zu. Dennoch ist dies ein bemerkenswerter Fortschritt, lag der entsprechende Anteil in derselben Altersgruppe 2019 doch noch bei 86 %.
„40 % der Französinnen und Franzosen geben an, noch nie vom EPR in Flamanville gehört zu haben, 62 % noch nie von CIGEO“
Zu diesen Vorurteilen kommt ein eklatanter Mangel an Wissen über Projekte hinzu, die für die französische Kernenergiebranche von zentraler Bedeutung sind. Während vielen von uns die Akronyme EPR oder CIGEO so vertraut sind wie z.B. SNCF oder EDF, ist dies für einen Großteil der französischen Bevölkerung nicht der Fall. Und zwar in einem Ausmaß, das durchaus besorgniserregend erscheinen kann: 40 % der Französinnen und Franzosen geben an, noch nie vom EPR gehört zu haben, 62 % noch nie vom Projekt CIGEO. Gleichzeitig zeichnet sich eine zweite, zumindest bemerkenswerte Entwicklung ab.



Es lässt sich nicht bestreiten, dass über viele Jahre hinweg die am deutlichsten hörbaren Stimmen zur Kernenergie, insbesondere zum Projekt CIGEO, die seiner Gegner waren. Der steigende Anteil der Befragten, die angeben, den Begriff CIGEO nicht zu kennen, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Stimme der Atomkraftgegner an Einfluss verliert. Dennoch bleibt festzustellen, dass es offenbar weder institutionellen Organisationen noch kernenergiefreundlichen Verbänden gelungen ist, diese Lücke zu schließen.
„Weniger als eine bzw. einer von fünf Französinnen und Franzosen hält Gewerkschaften und Politik beim Thema Kernenergie für glaubwürdig; den Medien wird nur geringfügig mehr Vertrauen entgegengebracht.“
Diese Grafik spricht für sich. Politische, gewerkschaftliche und mediale Äußerungen zur Kernenergie scheinen in den Augen der französischen Bevölkerung heute weitgehend an Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Unabhängige Behörden wie ASN oder ANDRA sowie wissenschaftliche Stellungnahmen genießen dagegen weiterhin erhebliches Vertrauen in der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund wird sich Dematomentgegen.de darum bemühen, eine Brücke zwischen diesen „vertrauenswürdigen Quellen“ und den Bürgerinnen und Bürgern Frankreichs zu schlagen. Der langfristige Fortbestand von Dematomentgegen.de wird nur durch das Engagement einzelner Mitglieder des Vereins Stimmen der Kernenergie möglich sein, die dazu beitragen, das Spektrum der Antworten zu erweitern und aktuell zu halten. Wenn Sie zur Verbreitung von Wissen beitragen möchten, können Sie sich gerne an Myrto Tripathi, Präsidentin des Vereins Stimmen der Kernenergie, wenden: Kontakt Stimmen der Kernenergie.