Aus Tschernobyl haben sie nichts gelernt!
Falsch !
En bref
En détail
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) beauftragte die 1985 gegründete International Nuclear Safety Advisory Group (INSAG) damit, den Unfall von Tschernobyl zu untersuchen und Empfehlungen auszuarbeiten. Die ersten beiden Berichte, INSAG-1 [1] und INSAG-7 [2], klärten die technischen und menschlichen Abläufe, die zu dem Unfall geführt hatten, und lieferten Erfahrungswerte. Die INSAG veröffentlichte 28 Berichte, die zur Entwicklung einer internationalen Sicherheitsdoktrin beitrugen und die Bedeutung einer starken Sicherheitskultur hervorhoben, die für den Sektor mittlerweile von zentraler Bedeutung ist.
An den RBMK-Reaktoren (Reaktortyp in Tschernobyl) wurden Änderungen vorgenommen, um sie sicherer zu machen.
- Der positive Vakuumkoeffizient, der die unkontrollierte Reaktion ausgelöst hatte, wurde verringert.
- Die Zusammensetzung der Steuerstäbe wurde geändert und ihre Einführgeschwindigkeit erhöht ((ihre langsame Einführgeschwindigkeit hatte insbesondere zum Unfall beigetragen).
- Es wurden Schutzsysteme hinzugefügt, um instabile Betriebszustände zu verhindern.
- Die Betriebsvorschriften verbieten bestimmte gefährliche Konfigurationen, wie sie zum Zeitpunkt des Unfalls vorlagen.
Durch diese Verbesserungen konnte das Sicherheitsniveau der RBMK-Reaktoren erhöht werden, obwohl sich deren Bauweise von den westlichen Standards unterscheidet.
Der Unfall hat die Bedeutung des Faktors Mensch deutlich gemacht. Betriebsfehler sowie das Fehlen oder die Nichtbeachtung von Verfahren haben zur Katastrophe beigetragen [3]. Dies hat zur Förderung einer „Sicherheitskultur“ geführt, die auf Sorgfalt, Transparenz sowie individueller und führungsbezogener Verantwortung basiert. Die Anlagenbetreiber werden besser geschult und dazu ermutigt, jede Unregelmäßigkeit ohne Angst vor Sanktionen zu melden. Auch die Krisenmanagementkonzepte wurden überarbeitet [6].
Transparenz wird großgeschrieben, was einen Bruch mit der bisherigen Silo-Kultur darstellt. Vorfälle müssen umgehend gemeldet und analysiert werden, gleichzeitig wird die Unabhängigkeit der Sicherheitsbehörden gestärkt. Internationale Organisationen, insbesondere die nach dem Unfall gegründete World Association of Nuclear Operators (WANO) [4], fördern den Erfahrungsaustausch und die Harmonisierung der Vorgehensweisen.
Schließlich wurden bei der Konzeption der Reaktoren der 3; Generation die aus den schweren Unfällen gewonnen Erkenntnisse berücksichtigt. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern verfügen diese Reaktoren von Anfang an über Vorrichtungen zur Bewältigung extremer Situationen. Beim EPR [7][8] ermöglichen Systeme die Eindämmung von Corium, um ein Durchbrechen des Reaktorbehälters zu verhindern. Andere Vorrichtungen begrenzen das Risiko einer Wasserstoffexplosion und gewährleisten die Wärmeabfuhr, selbst bei einem vollständigen Ausfall der Stromversorgung.
In Frankreich führte die vierte zehnjährige Überprüfung der 900- und 1300-MW-Reaktoren (Generation 2) zu einer Erhöhung der Sicherheit bei schweren Unfällen. Dazu gehören Vorrichtungen zur Stabilisierung von Corium, was zeigt, dass sich die Anforderungen an bestehende Reaktoren und die neuerer Konstruktionen annähern.
Sources :
[1] INSAG-1 – Link
[2] INSAG-7 – Link
[3] NUREG-1250 – Link
[4] Wano 1989 – Link
[5] Euratom 1987- Link
[6] ICRP 1987 – Link
[7] Technische Richtlinien für die Auslegung und den Bau der nächsten Generation von Druckwasserreaktoren (EPR) – Link
[8] ASN-Leitfaden Nr.22 Auslegung von Druckwasserreaktoren – Link