Die Folgen des Unfalls von Tschernobyl werden in dem Buch von Swetlana Alexijewitsch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ zutreffend beschrieben.

Irreführend !

En bref

1997 veröffentlichte die belarussische Journalistin Swetlana Alexijewitsch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“, das auf Interviews mit Hunderten von Menschen basiert, die vom Unfall von Tschernobyl betroffen waren. Das Buch enthält zwar teilweise belegte Fakten, doch die Vermischung von Fakten und Spekulationen vermittelt ein Bild, das weit von der wissenschaftlichen Wahrheit entfernt ist.

En détail

Das Buch Swetlana Alexijewitsch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ wurde 1997 von der belarussischen Journalistin und Essayistin Swetlana Alexijewitsch veröffentlicht und basiert auf Interviews, die zwischen 1994 und 1996 mit verschiedenen vom Unfall von Tschernobyl betroffenen Personen geführt wurden. Obwohl einige Folgen korrekt dargestellt werden, vermischt die Autorin persönliche Erfahrungen mit Gerüchten, wodurch ein Bild entsteht, das weit von der wissenschaftlichen Wahrheit entfernt ist.

Dieses Buch spiegelt die soziale moralische und vor allem persönliche Tragödie wider, die der Unfall darstellte, der sich am 26. April 1986 im Kraftwerk ereignete. 

Viele dieser Geschichten sind wahr, wie etwa die Folgen einer akuten Strahlenbelastung, der ein Feuerwehrmann ausgesetzt war, als er den Reaktorbrand inmitten hochradioaktiver Partikel löschte, oder die Gruben, die ausgehoben wurden, um verstrahlte Tiere sowie stark kontaminierte Ausrüstung und Böden zu vergraben.  Es ist auch wahr, dass die sowjetischen Behörden gelogen haben, als sie behaupteten, die Lage sei unter Kontrolle oder die Evakuierten würden in wenigen Tagen nach Hause zurückkehren.

Doch wenn das Buch in Spekulationen abgleitet – einschließlich Gerüchten, von denen die Leute nicht wissen, ob sie wahr oder falsch sind –, verlässt es den Bereich der Realität. 

Einige dieser Gerüchte konnten durch seit dem Unfall in den kontaminierten Gebieten durchgeführte Studien widerlegt werden: 

  • Es wurde in der Region nie ein Massengrab mit Tausenden von Leichen entdeckt;
  • Die in den kontaminierten Gebieten lebenden Tiere – abgesehen von denen im Wald in der Nähe des Kraftwerks, die in den ersten Monaten nach dem Unfall starben – konnten ihr Leben wieder aufnehmen und trotz der erhöhten Strahlenbelastung gedeihen;
  • In keiner international begutachteten Studie oder von internationalen Teams durchgeführten Untersuchung konnte ein Anstieg angeborener Fehlbildungen festgestellt werden;
  • Die evakuierten Menschen wurden nicht nach Sibirien deportiert, um dort interniert zu werden, sondern in neue, für sie errichtete Siedlungen außerhalb der kontaminierten Gebiete gebracht.

Es bleiben Gerüchte, die sich nicht widerlegen lassen: Wer kann beweisen, dass sich am Tag vor dem Unfall kein außerirdisches Raumschiff über dem Kraftwerk befand?

Eine empfehlenswerte Lektüre für all jene, die in Bezug auf die Folgen des Unfalls zwischen wahr und falsch unterscheiden möchten, sind die Berichte des UNSCEAR [1], des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung, sowie der kürzeren Berichte der kanadischen [2] und der französischen [3] Atomaufsichtsbehörde.