Der Atomausstieg in Deutschland hat die CO₂-Emissionen nicht erhöht
Irreführend !
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Ein beschleunigter Ausstieg nach dem Unfall von Fukushima
Nach dem Unfall von Fukushima‑Daiichi hat Deutschland beschlossen, seinen Atomausstieg zu beschleunigen. Die installierte Kernkraftwerksleistung sank damit von 21,5 GW im Jahr 2010 auf null, 15 Jahre später [1].

Dank des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien und des Wandels von einer historischen Rolle als Netto-Stromexporteur hin zu einer strukturellen Situation als Importeur ist es Deutschland dennoch gelungen, gleichzeitig die CO₂-Emissionen seines Stromsektors zu senken [2]. Gleichzeitig gehört Deutschland weiterhin zu den Ländern Europas mit den höchsten Emissionsfaktoren, also den meisten Gramm CO₂ pro erzeugter Kilowattstunde [3].
Was wäre ohne Atomausstieg passiert?
Die eigentliche Frage lautet daher: Wie viele CO₂‑Emissionen hätte Deutschland vermeiden können, wenn die Kernkraftwerke weitergelaufen wären? Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um mehrere Dutzend Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr gehandelt hätte. Eine in einer Fachzeitschrift publizierte ökonomische Studie für den Zeitraum 2012–2019 schätzt beispielsweise, dass die Stilllegung der Kernkraftwerke zu zusätzlichen Emissionen von 26 Mio. Tonnen CO₂ pro Jahr geführt hat – etwa so viel wie 15 Millionen Hin‑ und Rückflüge Paris–New York [4].
Zudem hat die Verbrennung fossiler Brennstoffe erhebliche Auswirkungen auf die Luftqualität. Derselben Studie zufolge hat der Atomausstieg in Deutschland im Vergleich zu einem Szenario, bei dem die Kernkraftwerke weiterbetrieben worden wären, zwischen 2012 und 2019 jährlich fast 800 zusätzliche Todesfälle verursacht [4].
Deutschland gehört also weiterhin zu den europäischen Staaten mit den höchsten CO₂‑Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde, konnte dank des schnellen Ausbaus der erneuerbaren Energien aber die Emissionen seines Stromsektors insgesamt senken. Ein Szenario, in dem die Kernenergie beibehalten worden wäre, hätte jedoch zu einem noch schnelleren Emissionsrückgang geführt und einen deutlich früheren Kohleausstieg ermöglicht.
Sources :
[1] Installierte Kernkraftleistung in Deutschland im Jahr 2010, Energy-charts / Fraunhofer Institut, https://energy-charts.info/charts/installed_power/chart.htm?l=fr&c=DE&year=2010&legendItems=dy5
[2] CO₂ -Emissionen des deutschen Stromsektors 1990-2024, Energy-charts / Fraunhofer Institut, https://energy-charts.info/charts/co2_emissions/chart.htm?l=fr&c=DE
[3] Emissionsfaktoren nach Land, Our World in Data, https://ourworldindata.org/grapher/carbon-intensity-electricity?time=2023
[4] The Private and External Costs of Germany’s Nuclear Phase-Out, Journal of the European Economic Association, https://eprints.lse.ac.uk/113634/1/The_Private_and_External_Costs.pdf (p.40)