Die Unfälle von Tschernobyl und Fukushima sind vergleichbar

Falsch !

En bref

Auch wenn beide Unfälle ihren Ursprung in Kernkraftwerken haben, unterscheiden sie sich deutlich hinsichtlich ihrer Folgen und des Ablaufs der Ereignisse, die zu ihnen geführt haben.

En détail

Zwei Nuklearunfälle mit sehr unterschiedlichen Ursachen

Die Unfälle von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) ähneln sich lediglich darin, dass bei beiden zivile Kernreaktoren betroffen waren und es zur Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umwelt kam. Tatsächlich sind weder die Technologie der betroffenen Reaktoren noch die Art der Unfälle vergleichbar.

Der Fall Tschernobyl

Die in Tschernobyl eingesetzte RBMK‑Technologie (Druckröhrenreaktor mit kochendem Wasser als Kühlmittel in einem Graphitblock) wies Konstruktionsmängel auf, die den Reaktor schwer kontrollierbar machten. So führte beispielsweise der positive Reaktivitätskoeffizient dieses Reaktortyps dazu, dass eine Leistungssteigerung des Reaktorkerns eine Erhöhung der Reaktivität zur Folge hatte, was wiederum eine weitere Leistungssteigerung auslöste [1]. Bei einem schlecht vorbereiteten Test führte eine Reihe von Fehlern zu einer Leistungsexkursion, das heißt zu einem plötzlichen, unkontrollierten Anstieg der Reaktorleistung [2].

Der Fall Fukushima

In Fukushima-Daiichi wurden in den betroffenen Reaktoren durchweg die amerikanische Siedewasserreaktor-Technologie (BWR) eingesetzt. Beim ersten Erdbeben wurden die Reaktoren automatisch abgeschaltet (Einfahren der Steuerstäbe) und die Notstromdieselgeneratoren schalteten sich ein. Diese Generatoren und ihre Treibstoffvorräte, die sich auf Meereshöhe befanden, wurden jedoch durch den auf das Erdbeben folgenden Tsunami überflutet. Dies führte zu einem Verlust der Kühlung der Reaktorkerne, was deren Schmelze und die Entstehung von Wasserstoff zur Folge hatte, der wiederum mehrere Explosionen auslöste, von denen einige den Wegfall der Rückhaltung der radioaktiven Stoffe innerhalb des Reaktorgebäudes zur Folge hatten [3].

Deutlich unterschiedliche Mengen an freigesetzten radioaktiven Stoffen

Damit stellt sich die Frage nach der jeweils freigesetzten Radioaktivität. Das japanische Umweltministerium hat 2017 eine Tabelle veröffentlicht, die die Freisetzung wichtiger Radionuklide bei beiden Unfällen gegenüberstellt:

Die gesundheitlichen Folgen der Freisetzungen stehen jedoch nicht in direktem Verhältnis zur Menge der freigesetzten Radioaktivität. Sie hängen stark von der Art des Radionuklids ab – Xenon-133 ist weitaus weniger gefährlich als Jod-131 – sowie von den Schutzmaßnahmen, die von den Behörden ergriffen werden. Das Krisenmanagement in Japan erwies sich dabei als deutlich wirksamer als das Vorgehen der sowjetischen Behörden in Tschernobyl [4].

Sources :